Freie Waldorfschule
Schopfheim e.V.

 

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Projekte

Projekte

Nicht die Treppen sind entscheidend, sondern die Anzahl der Stufen. (Julian Nasiri)

Hausbauepoche

In der Sachkunde der dritten Klasse ist es üblich, dass der Klassenlehrer mit seinen Schülern und der Elternschaft eine Hausbauepoche gestaltet. Die Kinder können die im Unterricht behandelten Handwerksberufe auf diese Weise praktisch vertiefen. Es entstehen die verschiedensten Gebäude, wie z.B. ein Spielhäuschen auf dem Pausenhof, ein Fachwerkhäusle für den Kindergartenspielplatz, eine Lehmhütte bei einem Bauernhof, ein kurzzeitig bewohntes Hüttendorf auf einer Wiese am Waldrand, eine selbst gefilzte Jurte, ein Insektenhotel oder andere Geländegestaltungen werden gemeinsam entwickelt und umgesetzt. Jede Klasse findet ihr eigenes Hausbauprojekt und bildet damit eines der einprägsamsten Ereignisse einer dritten Waldorfschulklasse.

Mittsommerspiel

Die Elementarwesen strahlen im schönsten Farbenspiel, der altbekannte Pan schickt seine frech-fröhlichen Faune aus, warme Flötentöne erklingen, und das von den Kindern gemeinsam gesungene Lied tönt immer wieder ganz besonders durchlässig für Wesenhaftes. Welch Glück, diese Aufführungen jeden Sommer zur Johannizeit an der Schopfheimer Waldorfschule verfolgen zu können!

 

Die 1. und 2. Klässler leben zuschauend in der Erwartung, bald auch dieses oder jenes zu spielen. Dann tauchen sie als 3. und 4. Klässler selber übend-spielend-singend in die Inhalte des Mittsommerspiels ein. Und als 5. Klässler erleben sie es dann im betrachtenden Rückblick auf die spielenden Jüngeren (sogar einige 6. Klässler können sich dem erinnernden Nachklang nur schwer widersetzen).

 

Ganz tief verankert sich auf diese Weise die Mittsommerqualität, eine atmosphärische Naturstimmung bei Sonnen-Höchststand, in den Schülern der Unterstufe; auf dass ihnen später ein gedanklich-bewusster Zugriff auf diese erlebten Naturwahrnehmungen erleichtert oder gar erst ermöglicht wird.

Klassenspiel

Die Klassenspiele in der 8. und der 12. Klasse sind fester Bestandteil der Waldorfpädagogik als Abschluss von Mittel- und Oberstufe. Je nach Klassenlehrer und Wahlbereichsmöglichkeiten in der Oberstufe können auch weitere kleinere Theaterprojekte realisiert werden, außerdem werden öfter schon in der Unterstufe kleinere Theaterprojekte inszeniert.

 

Klassenspiel 8. Klasse
Wenn ein solches großes „8.-Klassspiel“ vorbereitet und aufgeführt werden soll, hat es einen wesentlich größeren Umfang, als die vielen Rollenspiele und Szenen, die bereits ab dem ersten Schuljahr, in dem Mutter- und Fremdsprachen, Heimat- und Tierkunde sowie Geschichte dazugehören. Im Klassenspiel ist zum ersten Mal die Möglichkeit gegeben, Seelisches, Empfindungsmäßiges noch unter dem Schutz und hinter der Maske einer Rolle zu gestalten, die aber auch zugleich Impuls- und Motivcharakter haben kann. Darüber hinaus kann die Arbeit am Bühnenbild (Malen und Handwerk), Nähen der Kostüme (Handarbeit), Plakatezeichnen (Zeichnen), Choreografie (Eurythmie, Musik) am Ende der Mittelstufe eine Symbiose des bis dahin Gelernten und Erarbeiteten geschaffen werden.

 

Klassenspiel 12. Klasse
Die 12. Klasse kann sich unter Anleitung eines Lehrers ein abendfüllendes Theaterstück (Oper, Musical oder Kabarett) erarbeiten und es zur öffentlichen Aufführung bringen.
Die Schüler sollen möglichst selbständig die Organisation der Aufführung übernehmen und sich in vielen Arbeitsgruppen engagieren, also nicht nur für ihre Rolle, sondern für den Gesamtablauf die Verantwortung übernehmen. So ist es ein Ziel, dass spätestens ab der Premiere die Klasse als selbständiges Ensemble auch ohne Spielleiter auf Tournee gehen könnte. In vorbereitenden und begleiteten Teams werden unter Miteinbezug von Fachleuten alle Bereiche für eine erfolgreiche Aufführung erarbeitet und eigenverantwortlich betreut (Beleuchtung, Kulissen, Dekoration, Requisiten, Kostüme, Masken, Musik und Ton, Werbung, Grafiken, Plakate, Fotos, Programmgestaltung, Dramaturgie, Regie, Terminplanung, Ablauforganisation, Tagesdienst, Teambetreuung, Kassenführung, Soufflieren, Umbau, Inspizienz…).

 

Erst im Geflecht dieser Aufgaben vor und nach der Aufführung, vor und hinter der Bühne, kann das Theaterspiel seine erzieherische Wirkung ganz entfalten: Nämlich als ein Gesamtkunstwerk, dessen Wert nicht nur in der gelungenen Aufführung, sondern auch in der Vorbereitung und Begleitung derselben liegt. Die Wahrnehmungsfähigkeit und die Willenskraft der Schüler müssen sich hier insbesondere auf dem sozialen Feld bewähren, denn nicht den begabten Einzelnen gilt es einseitig zu fördern, sondern alle Beteiligten – mit ihren Stärken und auch Schwächen – sollen über das Klassenspiel ein „soziales Kunstwerk“ gestalten.

Praktika

Die Waldorfschule versucht über 12 Jahre hinweg die SchülerInnen und Jugendlichen in selbsttätiger Weise in das sie umgebende Leben hineinzuführen.

Das Sich-dem-Leben-verbinden-wollen ist schon die Natur des kleinen Kindes. Es möchte in die Tätigkeit und Lebensprozesse der Eltern, des Kindergartens etc. nachahmend eintauchen und erlebt seine Umgebung als lebendige Einheit. Wenn der Klassenlehre der Unterstufe mit der dritten Klasse zu einem Bauern geht, um das Feld zu bestellen, werden die Kinder noch selber Bauer oder Pferd und ziehen den Pflug über den Acker.

Während der Pubertät tritt eine deutliche Distanzierung ein und das Bedürfnis, das Leben verstehen und sich mit ihm verbinden zu wollen, wird zur existentiellen Frage. An dieser Stelle kann die praktische Tätigkeit in verschiedenen Arbeitsfeldern dem Jugendlichen helfen Orientierungen und Erfahrungen zu sammeln, die seinen Reifeprozess positiv fördern.

Mittels der verschiedenen Praktika in verschiedenen Klassenstufen werden die Jugendlichen in das sie umgebende Leben hineingeführt. Diese sind:

Forstpraktikum, Landwirtschaftspraktikum, Handwerkspraktikum, Feldmesspraktikum, Ökologiepraktikum, Industriepraktikum, Sozialpraktikum.

Jahresarbeiten

Die Jahresarbeit soll anregen, dass der junge Mensch eine eigene Frage frei von staatlich vorgegebenen Themen entwickelt und dieser künstlerisch oder praktisch, aber auch theoretisch nachgeht. Schließlich gilt es, die Resultate dieser Übung öffentlich zu präsentieren. Diesen Prozess sinnvoll fördernd als Schule zu begleiten, bedeutet eine Gratwanderung: Einerseits versuchen wir durch Mentorenschaften ein wenig ‚hebammenartig‘ zu wirken – die Geburt vollbringt eben nicht die Hebamme… – andererseits ist es manchmal – auch in tiefgreifende Krisen hinein – geboten, den Schüler alleine seinen Weg finden zu lassen.

Mit dieser Arbeit wollen wir den „genormten“ staatlichen Prüfungen eine individuelle Bewährungsprobe, eine Art Gesellenstück, als wesentliches Element unseres Waldorfabschlusses hinzufügen. Die Jahresarbeit soll den Schülerinnen und Schülern die Gelegenheit geben, durch eine einjährige Arbeit an einem frei gewählten Thema zu zeigen, dass sie sich selbst gesteckte Ziele über eine längere Zeit hin verfolgen und in der Auseinandersetzung mit ihrer Arbeit persönlich wachsen können.

Die Jahresarbeit ist eine schöne Aufgabe, um sich selbst und seine Arbeitshaltung im Hinblick auf Konsequenz, Kreativität & Geschick zu testen. Wer sich wirklich auf den Prozess einlässt, lernt bei den Höhen und Tiefen, die durchlebt werden, seine Schwächen zu akzeptieren und seine Talente auszunutzen. Manch einer wird auf den Boden der Realität zurückgeholt, andere erleben unerwarteten Erfolg und wachsen über sich selbst hinaus.